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Oktober 1987, Berlin
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Erläuterung der These 1 Sachverhaltsinformationen sind Informationen zu den in wissenschaftlichen Quellen enthaltenen oder mit solchen Quellen dargestellten Aussagen über wissenschaftlich relevante Sachverhalte und Komplexe von Sachverhalten. Unter methodischem Aspekt sind Sachverhaltsinformationen das Gegenstück zu den Quellen- oder Dokumenteninformationen, mit denen über die Tatsache der Existenz von Quellen ( siehe unten ), jedoch nicht unmittelbar zu den in diesen Quellen vorliegenden Aussagen berichtet wird. Ihrer Struktur nach sind Sachverhaltsinformationen Aussagesätze, welche als Komplex von zusammengehörenden Sätzen oder als Einzelsatz auftreten, ohne ein abgeschlossenes literarisches Dokument zu bilden. Die Aussagesätze können auch sprachlich verkürzt sein ( z.B. in Form des Tripels "Objektbezeichnung - Merkmalsname - Merkmalsaussage" ) oder implizit in Tabellen, graphischen Darstellungen usw. vorliegen. Wesentlich ist, daß die betreffenden Aussagen eine geordnete Menge bilden oder sich in eine solche Menge, die einen theoretisch begrenzten Ausschnitt 3 aus dem Sachverhaltsgefüge des untersuchten Objektbereiches widerspiegelt, einordnen lassen. Integrierender Bestandteil der Sachverhaltsinformationen sind metasprachige Formulierungen, die beim Erschließen der Informationen hinzugefügt werden müssen, um die Informationsquelle jederzeit wieder eindeutig bestimmen zu können, Zusammenhänge mit anderen Sachverhalten kenntlich zu machen und andere notwendige Zusatzinformationen über die Quelle zu geben. |
Basis geschichtswissenschaftlicher Sachverhaltsinformationen sind die historischen Tatsachen, das sind Sachverhalte, die in der Vergangenheit als Erscheinungen des materiellen und geistigen Lebens der Gesellschaft wirklich existiert haben. 4 Die Beifügung "wirklich" steht alternativ zu "möglich", das heißt neben den als Tatsachen erwiesenen Sachverhalten müssen in den Geschichtswissenschaften auch Sachverhalte berücksichtigt werden, über deren Tatsachencharakter noch keine Gewißheit besteht und von denen wir nur annehmen können, daß sie möglicherweise existiert haben. In der Praxis wird ein Sachverhalt für uns erst dann Tatsache bzw. Fakt, wenn es über diesen Sachverhalt Aussagen gibt, die wahr sind, deren Inhalt also durch ein Beweisverfahren belegt ist. 5 Die Betonung liegt hierbei auf "für uns", denn ein wirklich existierender Sachverhalt oder ein Sachverhalt, der in der Vergangenheit wirklich existiert hat, ist objektiv immer eine Tatsache, unabhängig davon, ob die über ihn gegenwärtig oder in der Vergangenheit getroffene Aussage wahr oder falsch ist ( so wie die Bewegung der Erde um die Sonne seit Bestehen des Sonnensystems eine Tatsache ist, obwohl erst Astronomen des Mittelalters dafür den Beweis lieferten und jahrhundertelang die falschen Aussagen des ptolemäischen Systems als richtig galten ). 6 |
In den Geschichtswissenschaften werden nicht schlechthin historische Ereignisse untersucht. Die stattgefundenen Ereignisse werden vielmehr im Zusammenhang mit den auf diese Ereignisse beziehbaren Elementen der sozialen Strukturen betrachtet. Grundlegende Struktur ist hierbei die jeweilige ökonomische Gesellschaftsformation, in deren Rahmen die Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse die wesentlichsten Teilstrukturen verkörpern. 8 |
Die Methodik sachverhaltsorientierter geschichtswissenschaftlicher Informationstätigkeit muß dem Umstand Rechnung tragen, daßFür den wissenschaftlichen Erkenntnisprozeß heißt das, neue und gesicherte Forschungsresultate, die einen höheren Grad von Übereinstimmung zwischen Erkenntnis und Erkenntnisobjekt verkörpern, schnell und präzise in Sachverhaltsinformationen adäquaten Wahrheitsgehalts umzusetzen. Dazu müssen verbesserte, im Erkenntnisprozeß zur Anwendung kommende Beweisverfahren, die zu modifizierten bzw. wirklichkeitsgetreueren Erkenntnissen führen, rechtzeitig in der Erfassung, Speicherung und Wiedergabe von Sachverhaltsinformationen ihren Niederschlag finden. |
Erläuterung der These 5 Jeder wirklich existierende Sachverhalt und damit auch jede historische Tatsache ist komplexer Natur. Jede Tatsache schließt selbst wieder zahllose, noch elementarere Tatsachen ein. 10 |
Die Forderung nach wirkungsvollerer und umfassenderer Bereitstellung von Fakteninformationen bzw. Sachverhaltsinformationen entspringt echten Informationsbedürfnissen vieler Nutzer in Forschung und Forschungsleitung. Ausgehend von diesbezüglich formulierten Ansprüchen ließe sich das Idealbild von einem Informationssystem zeichnen, das seinen Nutzern je nach Bedarf die ihren Forschungsgegenständen entsprechenden, im Quellenfonds des Systems enthaltenen Aussagen bzw. Aussagenkomplexe liefert und sie dabei auf Qualitätsparameter wie Neuheit oder Widersprüchlichkeit der Aussagen, auf Zusammenhänge zwischen Neuem und im Informationsfonds bereits Vorliegendem und anderes aufmerksam macht. 11 |
Erläuterung der These 7 Hervorgerufen durch dezentral verfügbare Mikrorechentechnik vollziehen sich in vielen wissenschaftlichen Fachbereichen Veränderungen der Arbeitsprozesse und -gewohnheiten. Wer als Wissenschaftler Zugang zu einem Mikrorechner hat, besitzt im wahrsten Sinne des Wortes "automatisch" die Möglichkeit, Wissenselemente in vielfältigen Formen ( von kompletten Texten über Textfragmente und Einzelaussagen bzw. Daten bis hin zu Quelleninformationen ) auf Disketten zu speichern und diese Speicher mittels leistungsfähiger Standardsoftware in der täglichen Arbeit autonom zu nutzen. |
Erläuterung der These 8 Das Vorhandensein leistungsfähiger technischer und programmtechnischer Mittel für die dezentrale Informationsverarbeitung zwingt zu neuen Überlegungen und Entscheidungen bezüglich der Arbeitsteilung zwischen Informationsfachleuten und Bibliothekaren auf der einen und Fachwissenschaftlern auf der anderen Seite. |
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Engelberg, Ernst: Ereignis,
Struktur und Entwicklung in der Geschichte. - In: Probleme der geschichtswissenschaftlichen
Erkenntnis, Akademie-Verlag Berlin 1977, S.9-37;
Wick, Peter: Zur Widerspiegelung historischer Tatsachen und Erscheinungen mit Hilfe einer Informationssprache. - In: Probleme der geschichtswissenschaftlichen Erkenntnis, Akademie- Verlag Berlin 1977, S.175-182; Wick, Peter u.a.: Thesaurus der Geschichtswissenschaft: Aufgaben und Anwendung, Berlin 1976, Abschnitt 2.2 |
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Engelberg, Ernst: Ereignis, Struktur und Entwicklung in der Geschichte, a.a.O. S.19 | zurück |
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Die thematische Begrenzung eines Fonds von Sachverhaltsinformationen kann sachlich (z.B. Thema Bauernaufstände), zeitlich (z.B. Chronik des Jahres 1730) oder geographisch (z.B. Land Mecklenburg) erfolgen.Auch Mischformen sind möglich ( z.B. Bauernaufstände in Mecklenburg ). Nach einem Vorschlag von Peter Wick. | zurück |
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Der Begriff "Tatsache" wird von mir synonym zu den Begriffen "wirklich existierender Sachverhalt" und "Fakt" verwendet. Vgl. Bemerkung unter 6. ( E. Gering ) | zurück |
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Engelberg, Ernst: Ereignis, Struktur und Entwicklung in der Geschichte, a.a.O. S.19 | zurück |
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Der von verschiedenen Methodikern vertretenen Auffassung, daß nicht die wirklich existierenden Sachverhalte selbst, sondern nur die als wahr bestätigten Aussagen über diese Sachverhalte als Tatsachen anzusehen sind, schließe ich mich nicht an. Vgl. Bemerkung unter 4. ( E.Gering ) | zurück |
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Engelberg, Ernst: Ereignis, Struktur und Entwicklung in der Geschichte, a.a.O. S.12 | zurück |
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Engelberg, Ernst: Ereignis, Struktur und Entwicklung in der Geschichte, a.a.O. S.13-18 | zurück |
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Engelberg, Ernst: Ereignis, Struktur und Entwicklung in der Geschichte, a.a.O. S.10 | zurück |
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Wick, Peter u.a.: Thesaurus der Geschichtswissenschaft: Aufgaben und Anwendung, a.a.O. S.58 | zurück |
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Gering, Eberhardt: Erweiterungen
des Konzepts eines Frage-Antwort-Systems als Basis
für neuartige rechnergestützte Kommunikationsprozesse auf gesellschaftswissenschaft- lichem Gebiet. - In: Gesellschaftswissenschaftliche Information und Dokumentation in der DDR. - Berlin 14 (1985) 1, S. 3-16 |
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Autor: Dr. phil. Eberhardt Gering
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