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Drei Fundstücke zu Kohlenbrenner/Köhler sowie drei
Assoziationen hierzu / Eberhardt Gering
(siehe auch Albrecht Locher: Spuren der Köhlerei in Literatur und
Inschriften der Antike – Griechenland und Rom)
Die nachfolgenden Textfragmente stammen bis auf eine Ausnahme aus dem
Band "Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos" (Band 30 der Digitalen
Bibliothek des Verlags Directmedia Publishing GmbH)
Inhalt
| 1 |
Der Kohlenbrenner und der Walker (eine Äsop-Fabel) |
| 2 |
Ikaromenippus oder Die Luftreise (Lukian) |
| 3 |
Der Schiedsspruch (eine Komödie von Menander) |
| 4 |
Göttergespräche (Lukian) |
| 5 |
Ilias (Homer) - Antike Grillparty unter den Mauern von Troja |
| 6 |
Dionysiaka (Nonnos) Eine Analogie zu Homers Ilias |
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1 Der Kohlenbrenner und der Walker
(eine Äsop-Fabel)
Ein Kohlenbrenner, der ein Häuschen
bewohnte, lud einen Walker, der ihn besuchte, ein, bei ihm zu logieren.
Doch der Walker entgegnete ihm: »Nein, darauf könnte ich mich
nicht einlassen. Denn ich müßte befürchten, daß du
rußig machst, was ich weiß mache.«
Die Fabel demonstriert, daß, was ungleich, nicht zusammenpaßt.
[Äsop: Die Fabeln des Äsop.
Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 2253 (vgl. Ant. Fabeln, S.
26), Aufbau-Verlag]
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2 Ikaromenippus oder Die Luftreise
(Lukian)
zum Inhaltsverzeichnis
MENIPPUS. Gut, daß du mich erinnerst! denn beinahe hätte
ich das Beste, und was ich zuerst hätte sagen sollen, ganz außer
acht gelassen. Wie ich die Erde selbst zwar zu erkennen anfing, von allem
übrigen aber, wegen der großen Tiefe, und weil mein Gesicht
nicht so weit reichte, nichts unterscheiden konnte, befand ich mich in
keiner geringen Verlegenheit und kränkte mich so sehr darüber,
daß ich beinahe zu weinen angefangen hätte. Auf einmal sah ich
eine Gestalt hinter mir stehen, die so schwarz wie
ein Kohlenbrenner, mit Asche bedeckt und am
ganzen Leibe wie gebraten aussah. Ich kann nicht leugnen, ich fuhr
über diesen Anblick zusammen und
glaubte irgendeinen mondlichen Dämon zu sehen: aber die Gestalt
hieß mich ein Herz fassen. »Beruhige dich, Menippus«,
sagte sie,
»wahrlich, ich bin kein Gott und keinem Unsterblichen ähnlich,
ich bin der bekannte Naturforscher Empedokles, den, als er sich in den
Krater des Ätna stürzte, der aufsteigende Rauch mit sich emporzog
und hieher .....«
[Lukian: Ikaromenippus oder Die Luftreise.
Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 6477 (vgl. Lukian-W Bd. 1,
S. 121-122), Aufbau-Verlag]
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3 Der Schiedsspruch (eine
Komödie von Menander)
zum Inhaltsverzeichnis
Personen
Charisios, ein junger Athener
Pamphile, seine Frau
Smikrines, Pamphiles Vater
Onesimos, Sklave des Charisios
Chairestratos, Freund und Nachbar des Charisios
Syriskos, ein Köhler
(Sklave des Chairestratos)
Daos, ein Hirt (Sklave)
Habrotonon, Harfenspielerin, von Charisios bezahlt,
z. Z. im Hause des Chairestratos Koch
Sophrone, Amme der Pamphile, stumme Person
Frau des Syriskos, stumme Person
Auf dem Lande bei Athen. Vor den Häusern des Charisios und
des Chairestratos
..........
die Kinderpflege und die Plage? Woher sollt ich
die Mittel nehmen? Warum sollte ich mich sorgen?
So ging es mir. Am Morgen war ich wieder
beim Hüten. Da kam der, er ist ein
Köhler,
der auf demselben Platz dort
seine Klötze
zersägt. Seit
langem sind wir beide gut bekannt.
Wir schwatzen miteinander. Daß ich finster blickte,
sah er. »Was fehlt dem Daos«, sagt er. »Was?«
sag ich,
»voreilig war ich.« Und das Ding erzähl
ich ihm,
wie ich's gefunden, wie ich's aufgehoben. Er,
bevor ich fertig, bittet er mich: »Daos,
so wahr dir's gut gehn möge«, sagt er
Mal um Mal,
»mir gib das Kind, damit du glücklich
wirst,
damit du frei wirst. Eine Frau«, sagt er,
»hab ich,
geboren hat sie, doch ihr starb das Kind.«
Von dieser sprach er, die das Kind jetzt hält.
Batst du, Syriskos?
SYRISKOS.
Ja.
DAOS.
Den ganzen Tag
setzt' er mir zu. Er schmeichelte und drang in mich.
Da sagt ich zu, ich gab's, er ging, und tausendfach
wünscht er mir Gutes. Ja, er griff nach meiner
Hand
und küßte sie. - Hast du's getan?
SYRISKOS.
Ich tat's.
DAOS.
Er ging.
Mit seiner Frau nun kommt er plötzlich an.
Was damals bei dem Kinde war, 'ne Kleinigkeit
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da selber zu. Doch wenn du darauf spekulierst,
daß ich, den Ring zurückzukriegen, dir
was gebe,
und sei's 'ne Kleinigkeit, so irrst du. Teilen ist
bei mir nicht drin.
ONESIMOS.
Ich will's ja gar nicht.
SYRISKOS.
Also schön,
ich komme bald zurück, zur Stadt muß
ich jetzt gehen.
Was ich dann weiter tue, werde ich schon sehen.
Ab.
HABROTONON die aus der Ferne zugesehen hat.
Das Kindchen, das die Frau im Hause eben stillt,
Onesimos, hat das der Köhler
hier gefunden?
ONESIMOS.
Jawohl, er sagt's.
HABROTONON.
Wie süß, das Arme!
ONESIMOS.
Und dazu
hier diesen Ring, der meinem Herrn gehört.
HABROTONON.
Du Unglücksmensch, ist wirklich das dein junger
Herr,
und du siehst zu, wie er als Sklave aufwächst,
wärst du da nicht mit Recht des Todes?
ONESIMOS.
Wie gesagt,
die Mutter kennt man nicht.
HABROTONON.
Und er verlor ihn, sagst du,
beim Tauropolienfest? |
[Menander: Der Schiedsspruch. Dichtung
der Antike von Homer bis Nonnos, S.7891 (vgl. Menander-W, S.100-101, Aufbau-Verlag)
]
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4 Göttergespräche
(Lukian) Eine Köhler-Assoziation
zum Inhaltsverzeichnis
JUPITER. So? dein sauberer Sohn Vulkan also, so
schmutzig und mit Kohlenstaub bedeckt, wie er von seiner Schmiedesse
zu Lemnos kömmt, der sollte also um die Tafel herumhinken und uns
den Wein einschenken? Aus solchen Fingern sollten wir den Becher nehmen
und uns wohl gar noch, meinst du nicht? an seinen rußichten Küssen
laben, vor denen dir doch selbst ekelt, wiewohl du seine Mutter bist?
[Lukian: Göttergespräche.
Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 6709 (vgl. Lukian-W Bd. 1,
S. 279, Aufbau-Verlag) ]
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5 Ilias (Homer) Eine antike
"Grillparty" unter den Mauern von Troja
zum Inhaltsverzeichnis
..........
ihr seid mir, wenn ich bitter auch grolle, die liebsten der Griechen!«
Damit führte sie weiter ins Zelt der edle Achilleus,
hieß sie sich setzen auf Sessel und purpurn schimmernde Decken,
sprach dann sogleich zu dem neben ihm stehenden Helden Patroklos:
»Sohn des Menoitios, stelle doch einen größeren Krug
auf,
kräftiger mische den Wein, bereite den Becher für jeden!
Unter mein Dach sind meine teuersten Freunde getreten.«
Derart sprach er. Patroklos gehorchte dem lieben
Gefährten.
An das leuchtende Feuer schob er die mächtige
Fleischbank,
legte die Rücken darauf von Schaf und gemästeter
Ziege,
auch ein überaus fettes Stück vom Rücken
des Mastschweins.
Automedon hielt fest, der edle Achilleus zerlegte,
schnitt dann in Stücke die Teile und steckte
sie alle auf Spieße,
und der göttliche Sohn des Menoitios schürte
die Flamme.
Als das Feuer herabgebrannt war und die Flamme
erloschen,
harkte er breit die Glut und legte die Spieße
zum Rösten
über die Stützen und streute das Salz
auf, die Gabe der Götter.
Anschließend briet Patroklos das Fleisch
und legte es auf die
Anrichtetische und teilte das Brot in prächtigen
Körben
über den Tisch hin aus. Achilleus verteilte
den Braten,
nahm dann Platz gegenüber dem göttlichen
Helden Odysseus,
an der anderen Wand, und hieß den Gefährten Patroklos
opfern den Göttern, der warf die Gaben des Opfers ins Feuer.
Wacker sprachen sie zu den dargebotenen Speisen.
[Homer: Ilias. Dichtung der Antike
von Homer bis Nonnos, S. 4881 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 159, Aufbau-Verlag)
]
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· Eine zweite Übersetzung (deutsche Printquelle unbekannt)
Jener sprach's; da gehorchte dem lieben Freunde
Patroklos.
Selbst nun stellt' er die mächtige Bank
im Glanze des Feuers,
Legte darauf den Rücken der feisten Zieg'
und des Schafes,
Legt' auch des Mastschweins Schulter darauf voll
blühendes Fettes.
Aber Automedon hielt, und es schnitt der edle
Achilleus;
210 Wohl zerstückt' er das Fleisch,
und steckt es alles an Spieße.
Mächtige Glut entflammte Menoitios' göttlicher
Sohn itzt.
Als nun die Loh' ausbrannt', und des Feuers Blume
verwelkt war;
Breitet' er hin die Kohlen, und richtete drüber
die Spieße,
Sprengte mit heiligem Salz, und dreht' auf stützenden
Gabeln.
215 Als er nunmehr es gebraten, und hin auf Borde
geschüttet;
Teilte Patrokles das Brot in schöngeflochtenen
Körben
Rings um den Tisch; und das Fleisch verteilete
selber Achilleus;
Setzte sich dann entgegen dem göttergleichen
Odysseus,
Dort an der anderen Wand, und gebot, dass Patroklos den Göttern
220 Opferte; dieser gehorcht', und warf die Erstling' ins Feuer.
Und sie erhoben die Hände zum leckerbereiteten Mahle.
[Aus dem neunten Gesang der Ilias.
http://www.gottwein.de/Grie/hom/il09de.htm, 17.09.2003 ]
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6 Dionysiaka (Nonnos) Eine
Analogie zu Homers Ilias
zum Inhaltsverzeichnis
................
rötete tief den steinernen Herd der Pallas Onkaia.
In die gehörnte Stirn getroffen von wuchtigem Schlage,
stürzte vornüber die Kuh. Mit dem Schlachtmesser wurde der
Körper
zünftig zerteilt, die Flanken geöffnet, die Glieder zerstückelt,
ward auch das rauhe Fell abgezogen, so lang es sich streckte.
Kadmos hatte zu Boden gelegt den glänzenden Mantel,
legte voll Eifer mit Hand an. Das Fleisch der
stattlichen Keulen
schnitt er zu Stücken und hüllte in
kleinen Portionen es sorglich
zweifach in Fettschichten ein. Dann steckte die
edleren Teile
gleich er, in länglichen Streifen, auf Spieße
und breitete über
Kohlenglut sie, zog vor und zurück sie zum
Grillen, bei milder
Hitze, reihte durchbohrend am Erz die gebratenen
Stücke,
hob nacheinander die immer noch glühenden
Spieße und legte
schließlich auf blumengeschmückter
niedriger Tafel sie nieder.
Duftend kräuselte sich der Dampf assyrischen Weihrauchs
hoch in die Lüfte. Beendet war die heilige Handlung,
nunmehr begann die Mahlzeit. Kadmos verteilte an alle
Gäste die gleichmäßig eingeteilten Essensportionen.
Rings um die runde Tafel saßen zum festlichen Schmause
dicht die Gefährten und stillten zu voller Genüge den .....
[Nonnos: Leben und Taten des Dionysos.
Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 8151 (vgl. Nonnos-W Bd. 1,
S. 76-77, Aufbau-Verlag) ]
(Etwas merkwürdig erscheint hier das Wort "Grillen")
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Nonnos lebte im 5. Jahrhundert n. Chr.
und stammte aus Panopolis (Ägypten). Der griechische Dichter gilt
als der letzte große Epiker der Antike. Nach dem Vorbild Homers verfaßte
er das umfassendste Epos der Antike, die »Dionysiaka«, eine
in Hexametern geschriebene Erzählung des Dionysosmythos in 48 Büchern
mit rund 25 000 Versen. Im Gegensatz zu der Apotheose des heidnischen Mythos
steht eine wahrscheinlich von Nonnos später hinzugefügte metrische
Paraphrase des Johannesevangeliums, die auf eine Bekehrung Nonnos' zum
Christentum schließen läßt.
[Nonnos: Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 8024 ) Aufbau-Verlag]
zum
Inhaltsverzeichnis
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Anmerkung: Die farbigen Schriftauszeichnungen wurden
von mir vorgenommen. (E. Gering)
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