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Wildau bei Berlin, November 2005 / Juni 2009 |
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Mit "Frühe Köhlerei" wird im vorliegenden Text die Köhlerei von ihren Anfängen in der Urgeschichte bis zum Ende der Frühgeschichte der Menschheit bezeichnet.
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Seit den Anfängen der Metallgewinnung und –verarbeitung in der Urgeschichte bildeten Erzbergbau und Erzeugung von Holzkohle das gemeinsame Anfangsglied einer Produktionskette, die über die anschließenden Prozesse der Erzverhüttung, des Metallschmelzens und der vielfältigen Arten des Schmiedens schließlich bis zu den Endverbrauchern der Metallgegenstände führte.
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Holzkohle war als Arbeitsmittel für die auf Erzbergbau und Köhlerei folgenden Tätigkeiten ( Verhüttung, der Erze, Umschmelzen, Schmieden von Metallen ) der einzige verfügbare Energieträger, mit dem die erforderlichen hohen Arbeitstemperaturen erzeugt werden konnten – eine Funktion, welche die Holzkohle bis zur umfassenden Einführung des Steinkohlenkokses im 19. Jahrhundert unserer Zeit beibehielt. Insbesondere konnte bis zu dem letztgenannten Zeitpunkt, das heißt über mehrere Jahrtausende hinweg, hochwertiges Roheisen nur im Holzkohlefeuer aus dem Erz erschmolzen werden. In Stahlwerken der Gegenwart erlebt Holzkohle als Energieträger eine Renaissance.
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Der großen gesellschaftlichen Rolle von Holzkohlenproduktion und –anwendung wird die Literatur zur Technikgeschichte häufig nicht gerecht. Oft enthalten Publikationen solcher Fachdisziplinen wie Archäologie, Archäometallurgie, Ethnographie und weitere, von denen man bei entsprechender Thematik eine gebührende Aufmerksamkeit gegenüber den historischen Sachverhalten des Erzeugens und Anwendens von Holzkohle erwartet, nur wenige und nicht selten noch voneinander isolierte Aussagen über Holzkohlenfunde oder –verwendungen. |
Analysen einer per Zufallsauswahl zusammengestellten Menge von mehr als fünfzig einschlägigen Publikationen aus Vergangenheit und Gegenwart bestätigen diese Vermutung. Auch die in großen Volltextdatenbanken historischer Literatur vorgenommenen vergleichenden Recherchen zu Köhlerei auf der einen und zu weiteren technischen Sachgebieten auf der anderen Seite lassen ein deutliches Ungleichgewicht zum Nachteil der Köhlerei erkennen.
Die historischen Ursachen dieser Ungleichbehandlung lassen sich mit den durchgeführten Analysen allein noch nicht erkennen. Feststehen dürfte jedoch schon jetzt, daß es auf den entsprechenden Gebieten der Technikgeschichtsschreibung notwendig ist, die oben genannte Gemeinschaft von Bergmann, Köhler, Hüttenmann und Schmied endlich in ihrer Ganzheit wahrzunehmen und ohne Einschränkung zu vertreten. |
Basierend auf einer relativ umfangreichen Analyse technikgeschichtlicher Literatur (siehe der oben genannte Vortrag auf dem 5. Europäischen Köhlertreffen) sollen die Arbeiten zur Erforschung der Ur- und Frühgeschichte der Köhlerei vom Europäischen Köhlerverein in den nächsten Jahren zielstrebig weitergeführt werden. Im Folgenden werden Gründe, Ziele und Realisierungsbedingungen für die geplanten Arbeiten dargelegt. |
Das Erforschen der Frühen Köhlerei halten wir für erforderlich, weil
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Das Interesse gilt gegenwärtig den Zeiträumen, die aus den örtlichen bzw. heimatgeschichtlichen Sichtweisen und Forschungsmöglichkeiten heraus überschaubar sind. Das betrifft maximal die letzten tausend Jahre. Zweifellos haben die vielen lokalen Köhlervereine an dem Erforschen dieser Zeitspanne ein großes Verdienst. Gleichzeitig bedeutet jedoch das Konzentrieren auf diese "jüngere" Vergangenheit auch ein Vernachlässigen der sehr viel längeren Periode, in der sich das Produkt Holzkohle bereits zum primären Energieträger vieler menschlicher Gesellschaften entwickelte. Oftmals stellt sich die aktuelle Lage so dar, daß die früheren Jahrtausende nur dann an Interesse gewinnen könnten, wenn im jeweiligen territorialen Umfeld Funde mit Bezug zur Köhlerei früherer Zeitepochen gemacht oder bisher unbekannte schriftliche Quellen zu diesen Zeiträumen auftauchen würden.. |
Gegenwärtig ist zu den ur- und frühgeschichtlichen Stätten der Holzkohlenproduktion wenig bekannt. Nach materiellen Spuren der Holzkohlengewinnung, wie sie in den Zentren früher metallurgischer Produktion am ehesten zu erwarten wären, wird bis auf einzelne Ausnahmen offensichtlich nicht gezielt gesucht ( die relativ zahlreichen Relikte alter Kohlplätze des Mittelalters fallen nicht in den hier betrachteten Untersuchungszeitraum ). Gleichzeitig weisen aber Holzkohlenfunde aus ur- und frühgeschichtlicher Zeit auf die ehemalige Existenz entsprechender Produktionsstätten (Meiler) hin. |
Es werden zwei Möglichkeiten gesehen. Die erste Möglichkeit besteht darin, die Situation zu akzeptieren und sich wie bisher auf Untersuchungen zur Köhlerei der letzten Jahrhunderte zu konzentrieren. Dem werden vermutlich viele zustimmen. Der Pflege historischer Traditionen, verbunden mit tourismusförderlichen und marktwirtschaftlichen Maßnahmen, kommt hierbei ein starker Einfluß zu. Jedoch, so wichtig diese Dinge auch sind oder sein können: sie allein würden uns beim Offenlegen der eigentlichen Ursprünge der Köhlerei nur wenig voran bringen.
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In bezug auf die Köhlerei der jüngeren Vergangenheit, speziell der letzten zwei bis drei Jahrhunderte, ist die Quellenlage relativ günstig. Es gibt im deutschen Sprachraum eine Reihe von Darstellungen der Holzkohleproduktion mittels Erdmeilern, der Beziehungen zwischen Forstwirtschaft und Köhlerei, der Lage ehemaliger Meilerplätze, der für die Köhlerei benutzten Holzarten u.a.m. Neben Disziplinen wie Forstwirtschaft oder Archäobotanik widmen sich oftmals heimatgeschichtliche Veröffentlichungen den Themen Köhlerei und Holzkohlenanwendung.
Große Informationspotentiale zur ur- und frühgeschichtlichen Köhlerei bilden die Forschungs- bzw. Grabungsberichte der Archäologie. Bei Grabungen zur Siedlungsarchäologie, Archäometallurgie und zu weiteren Gebieten wird dem Auftreten von Holzkohlefundstücken und dem Erforschen ihrer Herkunft vermutlich noch viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. |
Es geht es um Informationen verschiedenster Art über die ur- und frühgeschichtlichen technischen Prozesse, bei denen das Erzeugen und Anwenden von Holzkohle sowie von anderen Produkten der Holzverschwelung (Teer bzw. Pech, Holzessig u.a.m.) eine Rolle spielten. Von Nutzen sind insbesondere:
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Von großem Wert für die Erforschung früher Köhlerei sind Informationen über die Köhler selbst, über ihre wirtschaftlichen und im weitesten Sinn sozialen Verhältnisse, das heißt über das gesamte gesellschaftliche Umfeld, in dem die Holzkohleproduktionen zu ur- und frühgeschichtlicher Zeit stattfanden. |
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Zweckmäßig sind köhlereibezogene wissenschaftliche Veranstaltungen zu den Themen „Bedeutung der Holzkohle" und "Soziale Stellung der Kohlenbrenner" in ur- und frühgeschichtlicher Zeit, um die Öffentlichkeit auf die Rolle der Köhlerei in der alten Geschichte aufmerksam zu machen und eine entsprechende Würdigung der Frühen Köhlerei in der künftigen Geschichtsschreibung der Technik zu bewirken. |
| /1/ | Definitionen aus "Wikipedia, die freie Enzyklopädie" im World Wide Web (Dezember 2005) | zurück |
| /2/ | Robert James Forbes: Bergbau, Steinbruchtätigkeit und Hüttenwesen. – Göttingen 1967, S. K33 | zurück |
| /3/ | Uta Karl-Mazzei: La carbonaia di Roberto. – Cavalese (Italien), 1990, S.9 | zurück |
| /4/ | Auf dem 5. Internationalen Köhlertreffen im österreichischen Rohr im Gebirge wurde die Thematik hauptsächlich unter dem Aspekt der Literaturanalyse behandelt. | zurück |
| /5/ | Albrecht Locher: Antike Texte zur Holzteergewinnung. – In: Acta praehistorica et archaeologica 23 (1991), S.111-115 | zurück |
| /6/ | Ausstellungstafel im Neuen Museum Glashütte/Baruth, Oktober 2005 | zurück |
| /7/ | Weltgeschichtsatlas / John Haywood. - Köln 1999, S.57 | zurück |
Die Arbeiten zur Erforschung der Frühen Köhlerei konnten trotz des vielversprechenden Beginns (siehe insbesondere das wissenschaftliche Symposium auf dem 5. Internationalen Köhlertreffen 2005 in Rohr, Österreich) nicht, wie vom Autor des Exposés geplant, fortgeführt werden. |
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( Vortragsmaterial 2005 ) |
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