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Das Anlegen und Beherrschen ortsfester Feuer ist die
von Menschen an festen Orten (Plätzen) ausgeübte Herrschaft über
solche Feuer, die von ihnen für nichtzerstörerische Zwecke angelegt
wurden. Zum Umfang dieses Begriffs
von der Herrschaft über Feuer gehören:
In der Kulturgeschichte gehören Beherrschung, Bewahrung und Erzeugung von Feuer zur Nutzung seiner Wärme und seines Lichts zu den wichtigsten Schritten in der Entstehung menschlicher Kulturen und Zivilisationen. 101 Feuer Der Beherrschbarkeit eines Feuers sind von der Natur Grenzen
gesetzt. Insbesondere vermochten die Menschen der Frühzeit
es nicht, von ihnen selbst angelegte Feuer wieder zu löschen, wenn
sich diese Feuer in großflächige Waldbrände verwandelt
hatten.
Jedoch darf auch die Altersangabe von 72.000 Jahren für
erste Feueranwendungen beim Herstellen von Werkzeugen und Waffen aus Stein
nicht als endgültig betrachtet werden. Unter dem Aspekt, daß
die ersten bekannten Feuernutzungen bereits vor 750.000 Jahren (oder noch
früher) stattfanden, muß auch hier die Frage des generellen
Entwicklungstempos menschlicher Gesellschaften neu gestellt werden (vgl.
den Prolog zu dieser Studie). Es ist kaum anzunehmen, daß nach
den ersten gezielten Nutzungen des Feuers wieder die gewaltige Zeitspanne
von einer dreiviertel Million Jahre vergehen mußte, bevor die
Menschen der Urgesellschaften begannen, das Feuer auch bei der Werkzeug-
und Waffenherstellung anzuwenden.
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| In enger Wechselbeziehung mit den Anfängen einer
Beherrschung des Feuers stand der Beginn des Anwendens von Feuer beim Herstellen
keramischer Gegenstände durch einfache Töpferei und beim Gewinnen
von Kupfer durch starkes Erhitzen kupferhaltiger Erze.
Der Technikhistoriker Albert Neuburger schreibt hierzu: " Die Keramik ist zweifellos eine der ältesten aller Techniken. Ihre Spuren gehen bis weit in die vorgeschichtliche Zeit, man kann wohl sagen, bis zu den Anfängen der Menschheit zurück." Zu den Ursprungsländern der Keramik stellt Neuburger fest: "Die Wiege der keramischen Technik stand ... wahrscheinlich in Kleinasien oder in Ägypten. Von hier aus dürfte sich diese Technik nach dem Orient verbreitet haben, wo sie zunächst bei den Babyloniern und Assyrern in hoher Blüte stand." 103 Neuburger |
Die gezügelte und zugleich ungezügelte Gewalt
eines von Menschenhänden in einem Keramikbrennofen entfachten Feuers
widerspiegelt sich im Alten Testament (AT) der Bibel mit dem "Gesang der
drei Männer im Feuerofen" (AT, Buch Daniel). Die vom babylonischen
Despoten Nebukadnezar im 8. Jahrhundert v.u.Z. befohlene Verbrennung
dreier "ungehorsamer" jüdischer Beamter seines Hofstaates scheiterte
an der angeordneten siebenfachen Menge Brennstoff, mit der ein extrastarkes
Feuer im Ofen entfacht werden sollte. Anstelle der beabsichtigten gewaltigen
Hitze-Entwicklung, welche den sofortigen Tod der im "Feuerofen" eingesperrten
Männer bewirkt hätte, kam es zu einer mächtigen Verpuffung
des entzündeten Brennmaterials, wodurch zwar die in unmittelbarer
Nähe des Ofens befindlichen Diener des Herrschers getötet wurden,
die zum Tode Verurteilten jedoch unverletzt blieben.
Pyrotechnisch ist dieser Vorgang erklärbar, wenn es sich bei dem "Feuerofen" um einen Keramikbrennofen mit zwei voneinander getrennten Kammern (Feuerkammer und Brennkammer) gehandelt hat. In der Feuerkammer wurden mittels des entzündeten Brennmaterials die für den Brennvorgang benötigten heißen Gase erzeugt und in die benachbarte Brennkammer geleitet, wo normalerweise die zum Brennen bestimmten Ton- oder Keramikgegenstände lagerten. Eine derartige Brennkammer war meist hinreichend geräumig, um größere Gegenstände aufzunehmen. Unter der Voraussetzung, daß die Feuerkammer noch keine große Hitze entwickelt hatte und die bis dahin entstandenen Brenngase noch keine schnelle betäubende Wirkung hatten, war für eine kleine Gruppe von Menschen ein kurzer Aufenthalt in der Brennkammer möglich, ohne daß einer dieser Menschen gesundheitliche Schäden davon trug. Auch eine in der angrenzenden Feuerkammer stattfindende Verpuffung von zu viel und zu dicht gelagertem Brennmaterial mußte keine sofortige Schädigung der Personen, die sich in der relativ geschützten Brennkammer befanden, zur Folge haben. Das explodierende Gasgemisch bahnte sich seinen Weg nicht in die Feuerkammer, sondern in die zum Beschicken der Brennkammer vorgesehene Öffnung ins Freie, wodurch die dort in unmittelbarer Nähe des Brennofens befindlichen Menschen zu Tode kamen. Ein Vorgang, welcher laut Bibel den mit der Explosionsgefahr eines Brennofens nicht vertrauten Herrscher zutiefst erschreckte und zum Glaubenswechsel veranlaßte.Aber handelte es sich bei dem biblischen "Feuerofen" wirklich um einen Keramikbrennofen? Die Alternative wäre ein Ofen zum Verhütten von Erz oder zum Schmelzen von Metall. Zieht man jedoch die in der Bibel beschriebene Örtlichkeit und den Zweck des von Nebukadnezar angeordneten Rituals der Verehrung eines überdimensionalen goldenen Standbildes in Betracht, dann kommen die beiden letztgenannten Ofentypen schwerlich in Frage. Es bleibt die Überlegung, ob der "biblische Feuerofen" vielleicht eine "normale" Hinrichtungsstätte war, in welcher zum Tode verurteilte Menschen auf Befehl des Despoten in einem überhitzten grossräumigen Ofen erstickt und verbrannt wurden.Die wissenschaftliche Geschichtsschreibung bleibt für diese Annahme eine Bestätigung schuldig. EGe 2010 |
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| Mit dem Herstellen von einfacher Töpferware begann
die Feuernutzung für das Produzieren größerer Mengen
von Gebrauchsgütern des Alltags. Insbesondere Gegenstände zum
Aufbewahren von Lebensmitteln aller Art wurden nicht mehr in mühseliger
Art nur aus Stein gefertigt, sondern zunehmend aus lehmhaltiger Erde
bzw. Ton geformt und anschließend im Feuer getrocknet und gebrannt.
Diese ersten aus Erden geformten Gefäße entstanden mit den Anfängen
der Feuerbeherrschung, als Steinmaterial noch lange der vorherrschende
Werkstoff war.
Der Begriff der Keramik beinhaltet die genannten einfachen Formen der Töpferei, geht jedoch weit darüber hinaus und schließt neben qualitativ bedeutend hochwertigeren Werkstoffen auch vielfältigste künstlerische Gestaltungselemente und neuartige Formen der Nutzbarkeit ein. Die Erzeugung von Keramik als Töpferware begann weitgehend
unabhängig voneinander in unterschiedlichen Regionen.. Die bisher
ältesten bekannten Keramikgefäße der Welt stammen aus der
Jomon-Kultur
Japans und datieren aus den Jahren um 13.000 v.u.Z. Von Japan ausgehend
verbreitete sich die Keramiktechnologie über Wildbeuter-Kulturen nach
Korea und in das Amurgebiet. Neuere Entdeckungen in China belegen
auch dort sehr alte (womöglich sogar die älteste) Keramik.
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| Im 7. und frühen 6. Jahrhundert v.u.Z war die Stadt Korinth das wichtigste Zentrum der griechischen Keramikproduktion. Die Töpfereien lagen hier in einem eigenen Stadtviertel. Korinthische Töpferöfen besaßen zwei übereinanderliegende Kammern: die untere Kammer mit vorgebautem Schürkanal nahm das Feuerungsmaterial auf, in die obere Kammer (den Brennraum) wurden durch eine große und anschließend zugemachte Öffnung die getrockneten Gefäße eingesetzt. Den oberen Abschluß des Töpferofens bildete eine Kuppel mit großem Abzugsloch. Wie bildliche Darstellungen zeigen, hatten die Töpferöfen eine beachtliche Höhe. Der Brand erfolgte in drei Phasen, in Phase 2 wurde eine Temperatur von 900 bis 950 °C erreicht. 106 Schneider |
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Der Durchmesser des Brennraumes von römischen Brennöfen
betrug meist 2-3 m, mitunter auch weniger. Der Feuerraum lag oft so weit
vom Brennraum entfernt, daß nicht mehr die Flammen, sondern nur die
heißen Gase in den Brennraum gelangten. Hierzu war der Boden
des in der Regel runden Brennraums durchlöchert, damit die Flammen
oder die heißen Gase oder beide zusammen eintreten konnten.
Das Herausnehmen des gebrannten Gutes erfolgte durch die abnehmbare runde Kuppel des Brennraums. Größere Brennöfen hatten eine besondere Öffnung zur Herausnahme des Brenngutes. 107 Neuburger |
| Fundort | Alba Iulia, Rumänien | |
| Herkunftszeit | um 150 u.Z. | |
| Ofenhöhe | 1,40 m | Die meisten Töpferöfen waren knapp 1,50 m hoch. |
| Ofendurchmesser | 1,90 m | Bei römischen Brennöfen 2-3 m oder weniger [Albert Neuburger] |
| Brennraumfläche | 6,8 m² | (Fundort und -zeit nicht genannt) |
| Quelle |
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| Arbeitsprozess | Hauptarbeitsmittel | Arbeits-
temperatur |
Hauptenergie-
quellen |
| Einfaches Bearbeiten von Steinen | Steine als Werkzeuge | Mensch | |
| Herstellen von Werkzeugen und Waffen aus Stein | Feuerstelle | Holz, Holzkohle | |
| Brennen von einfacher Keramik (Töpferware) | Töpferofen | Holz, Holzkohle | |
| Brennen von hochwertiger Keramik | Keramikbrennofen | hoch | Holz, Holzkohle |
| Brennen von lasierter Keramik | Keramikbrennofen mit Hochtemperatur | sehr hoch | Holzkohle |
| Brennen von einfachen Ziegeln | Ziegelbrennofen | hoch | Holz, Dung |
| Brennen von lasierten Ziegeln | Ziegelbrennofen mit Hochtemperatur | sehr hoch | Holzkohle |
| Erzeugen einfacher Glasgegenstände | Glasofen für Holzfeuerung | sehr hoch | Holz, Reisig |
| Erzeugen von höherwertigen Glasgegenständen | Glasmacherpfeife [s. J.Riederer, 1983] | hoch | Holz, Holzkohle |
| Erzeugen von Glasschmelze | Glasschmelzofen | sehr hoch | Holz, Holzkohle |
| Quellennachweis-
nummer |
Quellennachweis | Rücksprung
zum Text |
| 101 | Wikipedia, Feuer, Version vom 9.6.2011 | TI101 |
| 102 | Die älteste Ingenieurkunst der Welt. - In: Österreich Journal, Magazin 87, 31.08.2010 | TI102 |
| 103 | Albert Neuburger: Die Technik des Altertums. - Leipzig 1929, S. 133-136 | TI103 |
| 104 | Wikipedia, Keramik, Version vom 4.1.2011 | TI104 |
| 105 | Albert Neuburger: Die Technik des Altertums. - Leipzig 1929, S.133-137 | TI105 |
| 106 | Helmuth Schneider: Keramikherstellung. - In: Wolfgang König (Hrsg.): Propyläen Technikgeschichte, Berlin 1991, S.116-123 | TI106 |
| 107 | Albert Neuburger: Die Technik des Altertums. - Leipzig 1929., S.151-152 | TI107 |
| 108 | Lexikon der Antike, Leipzig 1977, S.578 | TI108 |
Erläuterungen zu den Quellennachweisnummern und zum Quellenverzeichnis ===>
Ende von Kapitel 1 (Feuerbeherrschung)
Aufruf des nächsten Kapitels über das nachstehende Kapitelverzeichnis Teil I, Spalte 1
| Kapitel | Thema | Kurzbezeichnung |
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Prolog | Prolog |
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Anlegen und Beherrschen von ortsfesten Feuern | Feuerbeherrschung |
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Holzkohle als Energiebasis der historischen Montanindustrie | Holzkohle |
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Suchen, Finden und Abbauen von Erzen | Erzabbau |
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Verhütten von Erzen zur Metallgewinnung | Verhüttung |
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Bearbeiten und Weiterverarbeiten von Metallen | Metallverarbeitung |
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