Ebenfalls in der Unterstadt hat
der Friseurmeister Alsner seinen Laden. Herr Alsner führt ein Doppelleben:
Tagsüber ist er Friseur, abends Feuerwehrhauptmann. Beim Ausüben
seiner Feuerwehrfunktion können wir Herrn Alsner aus unserem Fenster
genau beobachten. Natürlich brennt nicht jedes mal ein Haus, wenn
wir aus dem geöffneten Fenster Herrn Alsner erblicken oder ihn sogar
noch bei geschlossenem Fenster hören können. Herr Alsner marschiert
auch nicht in seiner schönen Uniform mit dem goldenen Hahnenkamm auf
dem Helm an unserem Haus vorüber, wie Herr Schmidt in seiner weiß-blau
gestreiften Jacke oder Herr Seifert mit seinem Riesenhund es tun.
Nein, Herr Alsner steht mit beiden Beinen
fest und unverrückbar hinter der Mauer des von uns gut einzusehenden
Geländes der städtischen Gasanstalt mit ihren zwei großen
runden Gasometern. Von seinem Platz aus ruft Feuerwehrhauptmann Alsner
mit lauter militärischer Stimme kurz und zackig: „Eins Zwei
! Eins Zwei ! Eins Zwei !". Wenn Herr Alsner das nur so für
sich täte, würde das nicht besonders auffallen. Seine schneidigen
Kommandos dienen jedoch höheren Zwecken. Mit ihnen bringt er den Feuerwehrleuten
bei, wie sie auf kurzen eisernen Leitern an der Fassade des vor dem Gaswerkgebäude
befindlichen Feuerwehrübungsturmes hinauf und hinab zu klettern haben.
Auf Kommando „Eins"
kommt der linke Fuß auf die erste Leitersprosse, bei „Zwei" der rechte
Fuß auf die zweite Sprosse, beim nächsten „Eins" wieder
der linke Fuß am rechten Fuß vorbei auf die dritte Sprosse,
beim folgenden „Zwei" wieder der rechte Fuß am linken Fuß vorbei
auf die vierte Sprosse und so weiter, bis die erste Etage des Turmes erreicht
ist. Dort steigen die Feuerwehrmänner, gleichfalls nach Kommando,
über das Geländer aufs Podest der Etage, ziehen auf "Eins" die
Leitern nach oben über die Köpfe und haken sie auf Kommando "Zwei"
im Geländer der darüberliegenden Etage ein. Danach geht es, erneut
nach den Rufen „Eins Zwei Eins Zwei", weiter auf den Leitern in die Höhe,
bis die Feuerwehrleute schließlich unter dem Dach des Übungsturmes
angelangt sind.
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Es können drei Feuerwehrmänner,
jeder mit seiner eigenen Leiter, nebeneinander am Turm hochklettern, gleichzeitig
im Wechsel erst das linke und dann das rechte Bein hebend, was sehr interessant
aussieht. Abwärts geht es ebenfalls in Dreierreihe, wieder nach den
Kommandos „Eins Zwei; Eins Zwei" (und nicht etwa „Zwei Eins; Zwei Eins",
was man annehmen könnte, weil es ja nach unten geht).
Die Feuerwehrleute müssen dieses militärische
Klettern beherrschen, wenn sie einen echten Brand löschen sollen.
Zum Beispiel wenn beim Bauern Dünnemüller wieder einmal eine
Scheune in Flammen steht, was schon mehrmals geschehen sein soll. Jedenfalls
sagen die Leute, wenn das Feuerwehrauto mit lautem Tatü-Tata zum Einsatz
ausrückt und die Wasserturmstraße in Richtung Münzbachtal
hinunterfegt: "Aha, beim Dünnemüller brennt es wieder!"
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