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Im Juni 1942, fast drei
Jahre nach dem Beginn des zweiten Weltkrieges, wurde von Hitler per "Führer-Erlaß"
die Neubildung des Reichsforschungsrates angeordnet. Der entsprechende
Text lautete: /1/
"Erlaß des Führers über den Reichsforschungsrat. Vom 9. Juni 1942.Damit wurde der bereits 1937 gebildete Reichsforschungsrat (RFR) /2/ durch eine neu organisierte Instanz gleichen Namens (in der Literatur auch als 2. Reichsforschungsrat bezeichnet) ersetzt. Dem neuen RFR standen erhebliche Sondermittel für kriegswichtige Entwicklungen auf technischem und naturwissenschaftlichem Gebiet zur Verfügung. In seinem Verhör während des Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses bestätigte Göring, daß er den Auftrag hatte, die gesamte deutsche Forschung, soweit sie für die Kriegsführung dringend notwendig war, zusammenzufassen. Leider sei dies viel zu spät geschehen. Laut Göring wurden im RFR nach den verschiedenen Gebieten der Forschung (Göring nennt Physik, Chemie, Technik, Medizin, Geisteswissenschaften und, als Beispiel, nochmals die Chemie) Kommissionen gebildet, an deren Spitze jeweils ein Beauftragter stand. Unter dem RFR wurden Tausende von Forschungsaufträgen vergeben. Solche Aufträge liefen unter dem Titel "Der Reichsmarschall des Deutschen Reiches, der Präsident des Reichsforschungsrates". /3/ Der Präsidialrat des
RFR hatte 1942 22 Mitglieder, die sich jeweils von hochrangigen Mitarbeitern
vertreten ließen. Zu den Mitgliedern gehörten u.a. Bormann,
Himmler (in zwei Funktionen), Keitel, Milch, Rosenberg, Rust, Speer und
Vögler. Die Liste der Fachspartenleiter (von Göring vor dem Nürnberger
Tribunal als Beauftragte der Kommissionen bezeichnet) umfaßte 11
im Jahre 1944 in der höchsten Notzeit der deutschen Forschung auf Veranlassung und durch Vermittlung des bereits im Reichsforschungsrat arbeitenden Kollegen und Herausgebers des Gmelin-Handbuchs, Herrn Dr. Erich Pietsch", als "Der Beauftragte für die Organisation der wissenschaftlichen Berichterstattung im Reichsforschungsrat" Arbeiten für den Reichsforschungsrat ausgeführt zu haben.Unter "Bericht" wird im allgemeinen eine möglichst wertfreie Beschreibung eines Sachverhalts nach vorgegebenen oder in der Sache liegenden Kriterien für einen Auftraggeber oder Interessentenkreis verstanden. /6/ Im Dokumentationswesen entsprach die wissenschaftliche Berichterstattung dem Referieren von fachwissenschaftlichen Veröffentlichungen und dem Anfertigen von Referaten, die zusammengefaßt in den Referateblättern erschienen. Gegenstand wissenschaftlicher Berichterstattung im Rahmen des RFR dürften analog die Berichte über Forschungsergebnisse der gesamten deutschen Forschung, soweit sie für die Kriegsführung dringend notwendig war (Göring), aber auch Berichte über die Forschungsarbeiten in den Feindländern gewesen sein. Soweit es die deutsche Forschung angeht, könnte die "wissenschaftliche Berichterstattung" neben der Informationsfunktion auch eine Kontrollfunktion besessen haben. Bei der Fülle der vom RFR vergebenen Forschungsaufträge (s.o.) muß die von Pflücke wahrzunehmende "Organisation der wissenschaftlichen Berichterstattung" von beträchtlicher Dimension gewesen sein. Der entsprechende Arbeitsaufwand konnte von ihm nicht allein bewältigt werden. Hierzu schrieb Pflücke nach Kriegsende: „Ich hatte meine Tätigkeit in Abstimmung mit Herrn Direktor Dr. Predeek, dem Leiter der Technischen Hochschulbibliothek, auszuüben und mir vorgenommen, diese Arbeiten gemeinsam mit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, Herrn Prof. Dede, und dem Springer-Verlag zentral zu organisieren.“/7/Dem Autor dieser Skizze liegen keine Dokumente vor, die genaueres über die Aufgaben erkennen lassen, welche Pflücke auf dem Gebiet der "wissenschaftlichen Berichterstattung" übertragen wurden. Einen Hinweis liefert lediglich ein an Pflücke gerichtetes Schreiben Mentzels, Geschäftsführer im RFR, vom 20.12.1944. Darin wird mitgeteilt, daß einem Antrag Pflückes auf eine Sachbeihilfe von 20.000 Reichsmark für "Arbeiten zur Organisation der wissenschaftlichen Berichterstattung" stattgegeben wurde. /8/ Der oben zitierte Hitler-Erlaß war die Basis für das eindeutige Ausrichten der zu organisierenden wissenschaftlichen Berichterstattung auf die Unterstützung der Kriegführung des NS-Regimes. Damit werden die von Pflücke nach Kriegsende abgegebenen Erklärungen, seine Arbeiten im RFR hätten nie einen politischen Charakter gehabt, sondern seien vorzugsweise rein wissenschaftliche Arbeiten und Reden gewesen, ad absurdum geführt. . Sowohl der Erlaß Hitlers als auch die Nürnberger Aussagen von Göring zum Reichsforschungsrat lassen keinen Zweifel daran, daß es sich bei dem RFR um ein wissenschaftspolitisches Führungsinstrument höchsten Ranges gehandelt hat, von dem erwartet wurde, daß es "die Forschung für die Kriegführung fruchtbar gestaltet" (Hitler). Dieser Zielsetzung konnte sich Pflücke, nachdem er Beauftragter des RFR geworden war, nicht entziehen. Es bleibt zu klären, warum Pflücke zusätzlich zur Fülle seiner anderen Aufgaben auch noch den Posten im RFR übernahm. Pflücke selbst verweist darauf, daß ihm diese Funktion "auf Veranlassung und durch Vermittlung des bereits im Reichsforschungsrat arbeitenden Kollegen und Herausgebers des Gmelin-Handbuchs, Herrn Dr. Erich Pietsch" übertragen wurde. Damit benutzt Pflücke nach dem Zusammenbruch des Nazireiches die Person Pietsch quasi als Deckung vor unliebsamen Nachfragen. Der Vermittlungsweg von Pietsch zu Pflücke dürfte über Thiessen gelaufen sein.(s.o.). Die Rolle, welche Erich Pietsch im RFR spielte, bedarf einer gesonderten Untersuchung (siehe auch Skizzenblatt 13) . /9/ Prof. Dr. Peter Adolf Thiessen, Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für physikalische Chemie und Elektrochemie, war im Reichsforschungsrat unter Göring der Fachspartenleiter für allgemeine und anorganische Chemie. Die Stellung von Thiessen war innerhalb der deutschen Forschung außergewöhnlich. Das von ihm geleitete KW-Institut hatte über 100 Mitarbeiter und war damit die größte und auch am besten ausgestattete Forschungseinrichtung unter den rund dreißig Kaiser-Wilhelm-Instituten. Als "Fachspartenleiter Chemie" im Reichsforschungsrat waren Thiessen auf dem Gebiet der Chemie alle wesentlichen Forschungsvorhaben in Deutschland, ihre Entwicklung und ihre Ergebnisse bekannt. Er verarbeitete diese Ergebnisse nicht nur verwaltungsmäßig, sondern er durchschaute sie auch und war in der Lage, sie in ihrer Bedeutung für künftige Entwicklungen kritisch zu würdigen. Weil er die verschiedenen Forschungsergebnisse im Gedächtnis behielt, bezeichneten enge damalige Mitarbeiter Thiessen als ein Phänomen des Gedächtnisses.Es ist nicht bekannt, ob es wähend der NS-Zeit auf dem Gebiet der Chemie-Dokumentation (Chemisches Zentralblatt) direkte Kontakte zwischen Pflücke und Thiessen gab oder ob solche Kontakte während der Amtszeit Pflückes als Generalsekretär der Deutschen Chemischen Gesellschaft existierten. Mit Sicherheit kam es zu solchen Verbindungen, als unmittelbar nach Kriegsende unter der Regie sowjetischer Besatzungsbehörden über die Weiterführung des Chemischen Zentralblatts beraten wurde (siehe Skizzenblatt 16). Wie der Autor Walter Ruske im Zusammenhang mit einem an den Präsidenten der DChG, Richard Kuhn gerichteten Brief der Redakteure Klever und Pangritz vom Januar 1946 berichtet, setzten sich in den Verhandlungen mit einer wissenschaftlichen sowjetischen Sonderkommission Thiessen und Pflücke im Juni 1945 dafür ein, die Arbeit am Chemischen Zentralblatt in der Sowjetunion fortzusetzen, während sich Pietsch "für ein Verbleiben der literarischen Arbeitsgruppen in Deutschlands" aussprach. /11/ _________________________________ |
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| Auf der ersten Sitzung des
Beirats der DGD am 19. Januar 1942 berichtete Pflücke über
die Aufgaben des Arbeitsausschusses für die Beschaffung ausländischer
wissenschaftlicher Literatur. Er ging davon aus, daß die wichtigste
Grundlage der Auskunfts-stellen, Fachbibliotheken, Bibliographien und Referateblätter
die im Inland und Ausland erschienene Zeitschriftenliteratur ist. Es sei
dafür Sorge zu tragen, daß alle für die Wissenschaft und
Technik wichtigen Organe und Literaturstellen die für sie notwendige
Literatur erhalten. Erfahrungsgemäß wirke sich eine Zentralisierung
der Beschaffung der ausländischen Literatur ungünstig und unzulänglich
aus. Man werde also künftig die Beschaffung der ausländischen
Literatur auf verschiedenen Wegen versuchen und planen müssen. Zu
diesem Zweck werde ein entsprechender Ausschuß der Deutschen Gesellschaft
für Dokumentation ins Leben gerufen, der folgendes Arbeitsprogramm
hat:
· Laufende Bearbeitung von Fragen der Beschaffung der ausländischen Fachliteratur. Es sei unbedingt zu vermeiden, daß lebenswichtige Literaturbetriebe durch Fehlorganisationen lahmgelegt werden. · Schaffung einer Organisation, die an einer Stelle den Nachweis erbringt, an welcher Einrichtung der Literaturauswertung sich die nach Deutschland eingeführten Zeitschriften befinden. · Behandeln des Angleichens der Preise für Fotokopien, die zur Zeit bei den einzelnen Bestellerfirmen und Fachstellen sehr divergieren. /1/ |
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Der Arbeitsauschuß
für die Beschaffung ausländischer wissenschaftlicher Literatur
war Teil eines Komplexes von Arbeitsauschüssen der DGD. Eine Reihe
von ihnen wurde aus dem Fachnormenauschuß für Bibliotheks-,
Buch- und Zeitschriftenwesen des Deutschen Normenaussschusses in die DGD
übernommen.
Das betraf:
den Arbeitsausschuß für Klassifikation,Mit Gründung der DGD neu geschaffen wurden: der Arbeitsauschuß für die Beschaffung ausländischer wissenschaftlicher Literatur,Dem von Pflücke geleiteten Arbeitsauschuß für die Beschaffung ausländischer wissenschaftlicher Literatur oblag es faktisch, für die meisten der o.g. anderen Arbeitsausschüsse die Voraussetzungen zweckdienlichen Arbeitens zu schaffen. Dieser Zweck bestand 1942, dem Jahr der Gründung des Pflückeschen Ausschusses, so wie auch in den davor liegenden und den nachfolgenden Kriegsjahren, ausschließlich in der gezielten Unterstützung kriegswichtiger Forschungen und kriegswichtiger Produktionen. Diese Zweck- und Zielstellung erklärt auch, warum der Arbeitsauschuß für die Beschaffung ausländischer wissenschaftlicher Literatur sehr schnell zu dem nachfolgend beschriebenen "Zentralnachweis für ausländische Literatur" mutierte. |
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"Die Deutsche Gesellschaft für Dokumentation hat im Laufe der Kriegszeit sich notgedrungen auch mit dem Import ausländischer Zeitschriften und Bücher beschäftigen müssen. Sie erhielt die Gelder von der Forschungsnothilfe beim Reichsforschungsrat und hat mit diesen Mitteln einen Zentralnachweis über die in Deutschland importierten wissenschaftlichen Zeitschriften eingerichtet, der den deutschen Forscher und Wissenschaftler schnell darüber orientierte, ob und wo eine ausländische Zeitschrift in Deutschland sich befand. Eine Stelle dieses Zentralnachweises lag in Berlin, eine zweite wurde später in Potsdam eingerichtet. |
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| Die Aufgaben des Zentralnachweises
für ausländische Literatur und ihre Realisierung
Im Vorwort zu Heft 1 werden Notwendigkeit, Aufgaben und Organisation des Zentralnachweises vom Auftraggeber (Prinzhorn) und Herausgeber (Pflücke) wie folgt erläutert: "Am 22.1.1943 fand unter dem Vorsitz des Reichsamtes für Wirtschaftsausbau auf Anregung des Obmannes unseres Ausschusses für Beschaffung ausländischer Literatur eine Sitzung statt, zu der Vertreter der Wehrmachtsteile, der Ministerien und der kriegswichtigen Industrie eingeladen wurden und auch zugegen waren.Dieses Vorwort unterstreicht Pflückes führende Rolle als Organisator des als "kriegswichtig" eingestuften Zentralnachweises. |
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Die "kriegswichtige Bedeutung"
des Zentralnachweises kommt in den Folgeausgaben noch mehrmals zum Ausdruck.
Im Vorwort zum Heft 2 schreibt Pflücke
diesbezüglich:
"Ich möchte nochmals darauf hinweisen, daß die Mitteilungen streng vertraulich behandelt werden müssen, da es nicht in unserem Interesse liegt, den Feind über den Bestand an ausländischer Literatur in Deutschland zu unterrichten."Auf die Vielfalt der im Zentralnachweis zu erfassenden ausländischen Quellenarten weist Pflücke im Heft 5 hin: "Die Meldestellen werden darauf aufmerksam gemacht, daß sie neben den Büchern, Zeitschriften und Zeitungen des neutralen und feindlichen Auslands auch Kartenwerke und Atlanten aus Feindstaaten zu melden haben, einschließlich der Wirtschaftskarten, Verwaltungskarten und ähnlicher Kartenwerke." |
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| Besitzstellen der nachgewiesenen
Literatur
Neben den Beschaffungs- bzw.
Auswertungsstellen der aus dem feindlichen und besetzten Ausland besorgten
Fachliteratur gehören die Besitzstellen zu den Hauptsäulen
der Organisation des Zentralnachweises. Ihre Kenntnis ist insbesondere
für die Nutzer des Zentralnachweises von größter Bedeutung.
Eine Besitzstelle ist eine Einrichtung (häufig eine Bibliothek oder
eine vergleichbare Institution), in deren Bereich im Zentralnachweis aufgeführte
Quellen als Originale aufbewahrt sind. Die Besitzstellen sind verpflichtet,
den dazu berechtigten Nutzern auf Anforderung die Originale oder Kopien
daraus zur Verfügung zu stellen. Erhaltene Originale müssen vom
Nutzer an die Besitzstelle zurückgegeben werden.
Die im Heft 3 veröffentlichte Besitzstellenliste hat folgende Einträge: Berlin, Preußische Staatsbibliothek,
Die Empfänger der Hefte
des Zentralnachweises wurden ebenfalls listenmäßig erfaßt.
Eine Empfängerliste vom 23.12.1943 nennt 150 Namen von Personen, darunter
die Professoren P.A. Thiessen (Chemie), A. Butenandt (Biochemie), Otto
Hahn (Kernspaltung), Werner Heisenberg (Kernphysik). /8/
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| Auflagenhöhe und
Probleme der Herstellung des Zentralnachweises
Zur Auflagenhöhe der Hefte des Zentralnachweises gibt es nur wenige Hinweise. Als Bestand vom 23.12.1943 wurden angegeben: 500 Rotaprintexemplare und 100 einseitig bedruckte Rotaprintexemplare. Es handelt sich hierbei um Bestände vom Heft 1 des Zentralnachweises (siehe unten). Die Herstellung der Druckexemplare wurde zunehmend durch Luftangriffe der Alliierten gefährdet. Im Vorwort von Heft 2 (Erscheinungsdatum 1. Februar 1944) schreibt Pflücke hierzu: "Ich bin trotz der verschiedensten widrigen Umstände, die der Herstellung des vorliegenden Heftes entgegenstanden, in der Lage, das Heft Nr. 2 des "Zentralnachweises für ausländische Literatur" vorzulegen. Es hat sich gezeigt, daß diese Veröffentlichung bei den Bedarfsträgern eine außerordentlich interessierte Aufnahme gefunden hat [ ...] Der Satz des Heftes Nr. 1 wurde durch die Terrorangriffe auf Leipzig zweimal vollständig vernichtet. so daß die Nr. 1 nur als Rotaprintabzug von einem Korrekturabzug hergestellt werden konnte. Aus diesem Grund ist auch zu erklären, daß die Nr. 2 verspätet erscheint" |
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| Meldestellen für
ausländische Literatur
Aufgabe der Meldestellen war es, innerhalb ihres Zuständigkeitsbereich die Zugänge an ausländischer Literatur zu erfassen und an den Zentralnachweis weiter zu melden. Der Verfahrensweg wird nachstehend am Beispiel des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda (Goebbels-Ministerium) beschrieben: "Der Staatssekretär im Ministerium Berlin, den 6. November 1944 |
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| Berliner Meldestellen
der Deutschen Gesellschaft für Dokumentation, Zentralnachweis /10/
Auskunftsbüro der Deutschen
Bibliotheken
In obiger, von Pflücke
mit Handsignatur "7.8.45" versehenen Liste Berliner Meldestellen sind unter
anderem die Meldestellen der Regierungsbehörden (z.B. das Goebelsministerium
/ vgl. obiges Dokument vom 6.11.44) nicht enthalten.
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| Der Zentralnachweis in
der Regie des Reichssicherheitshauptamtes der SS
Die Regieführung des RSHA bei der Herausgabe des Zentralnachweises für ausländische Literatur soll hier an zwei Archivdokumenten belegt werden: Dokument 1 Rundbrief des SS-Obersturmbannführers Dr. Martin Sandberger an die Gruppenleiter des Amtes VI (Ausland) im RSHA vom 20.4.1944 /11/ "[...] Seit 1. Dez. 1943 wird von der "Deutschen Gesellschaft für Dokumentation" (Vorsitzender: Professor Dr. Prinzhorn / Leipzig) ein "Zentralnachweis für ausländische Literatur" herausgegeben. (Herausgeber: Obmann des "Ausschusses für Beschaffung ausländischer Literatur", Dr. Maximilian Pflücke).Dokument 2 Protokoll einer Sitzung der DGD am 6.9.1944. Protokollant: SS-Obersturmführer Alfred Karasek, RSHA VI G /13/ "Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Prinzhorn fand am 6.9.44 von 14.30 – 19.00 Uhr im Gästehaus Wannsee eine Tagung der Deutschen Gesellschaft für Dokumentation statt, die sich besonders mit Fragen der Schnellauswertung zu befassen hatte. |
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| Zur Finanzierung des
Zentralnachweises
Über die bis in die letzten Kriegsmonate erfolgende Finanzierung des Zentralnachweises und mit ihm im Zusammenhang stehender Aktivitäten geben drei Schreiben von Mentzel, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Auskunft. Alle drei Schreiben sind an den Antragsteller für entsprechende Sachbeihilfen, "Prof. Dr. Prinzhorn, Deutsche Gesellschaft für Dokumentation" gerichtet. Die Anträge in Höhe von insgesamt 215.000 Reichsmark wurden alle positiv beschieden. Schreiben Mentzel vom 20. 12. 1944 /14/ |
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| Resümé zum
Zentralnachweis
Das Beschaffen ausländischer Literatur, insbesondere aus sogenannten Feindländern, die Sicherung ihrer schnellen Auswertung und das effektive Bereitstellen der Auswertungsergebnisse für den militärischen, wissenschaftlichen und industriellen Sektor war die Hauptaufgabe der erst 1941 geschaffenen DGD in den letzten Jahren des zweiten Weltkrieges. Daß diese Aufgabe nicht unverzüglich mit Gründung der DGD, sondern erst zweieinhalb Jahre später mit der beginnenden Herausgabe des Zentralnachweises einer Lösung zugeführt wurde, zeigt die Zwiespältigkeit in der Haltung der NS-Führungsclique zu Wissenschaft und Forschung und die Widersprüchlichkeit in entsprechenden Entscheidungsprozessen. Es bedurfte wohl des Anstoßes durch den neuformierten Reichsforschungsrat, um die Trägheit auf dem Gebiet der Literaturbeschaffung mittels des Instruments eines Zentralnachweises so gut es noch möglich war zu überwinden und dazu beizutragen, die deutsche Kriegsmaschine auch durch Bereitstellen von kriegsrelevantem Weltwissen auf Touren zu halten. Allerdings kamen die entsprechenden Entscheidungen zur Zusammenfassung der deutschen Forschungskapazitäten "viel zu spät", wie es der Hauptangeklagte Göring auf dem Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozeß mit Bedauern feststellte. Für die Menschheit war dieses Versagen ein Glücksumstand, der insbesondere mit verhinderte, daß die deutschen Faschisten "noch rechtzeitig" in den Besitz kriegsentscheidender Waffen wie der Atombombe kamen. Der Anteil der DGD, insbesondere
ihrer führenden Leute wie Prinzhorn, Pflücke und andere, an den
mannigfaltigen Versuchen des NS-Systems, unter Ausnutzung neuesten ausländischen
Wissens das "Kriegsglück" noch zu wenden, ist nicht zu unterschätzen.
Die Schaffung und kontinuierliche Herausgabe des "Zentralnachweises für
ausländische Literatur" mit seinem System von Beschaffungsstellen,
Auswertungsstellen, Meldestellen, Besitzstellen und Empfängern der
wissenschaftlichen und technischen Feindliteratur erforderte von den Organisatoren
großes Engagement und hohen Arbeitsaufwand. Die genannten Personen
waren weit entfernt von den Möglichkeiten, aber wohl auch von dem
Willen, sich im NS-Staat "der reinen Wissenschaft" zu widmen. Im Vordergrund
stand ihr Bemühen, sich "mit ihren wissenschaftlichen Kenntnissen
in den Dienst des Vaterlandes" zu stellen (wie es Pflücke in etwas
anderem Zusammenhang auf der Salzburger DGD-Tagung 1942 formulierte).
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Amtierender Generalsekretär der Deutschen Chemischen Gesellschaft
Auf . Beschluß des
Vorstands der Deutschen Chemischen Gesellschaft (DChG) vom 4.12. 1943 wurde
Pflücke mit der Vertretung des Dr. Weidenhagen in dessen Eigenschaft
als Generalsekretär und als Betriebsführer der DChG
beauftragt. In dem vom Vorstandsmitglied Butenandt unterzeichneten entsprechenden
Schreiben vom 9.12.1943 heißt es:
"Sehr geehrter Herr Dr. Pflücke! Auf Veranlassung des Herrn Präsidenten habe ich Ihnen mitzuteilen, daß auf der Vorstandssitzung der Deutschen Chemischen Gesellschaft in Wien am 4. Dezember ein Beschluß gefaßt worden ist, nach dem Sie mit der Vertretung des Herrn Dr. Weidenhagen in seiner Eigenschaft als Generalsekretär und als Betriebsführer beauftragt werden, solange Herr Dr. Weidenhagen auf Grund seiner militärischen Verpflichtungen nicht ständig in Berlin anwesend sein kann. Ich hatte bereits Gelegenheit, Ihnen diesen Beschluß telefonisch mitzuteilen und freute mich, von Ihnen zu hören, daß Sie zur Übernahme der Ihnen anvertrauten Pflichten gern bereit sind." /1/Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Pflücke nach seinen eigenen Worten in der DChG nur die Abteilung der Redaktion des Chemischen Zentralblatts zu leiten. /2/ Nach Kriegsende übte Pflücke die Funktion des Generalsekretärs der DChG einige Zeit weiter aus. Von den Vorstandsmitgliedern der DChG war nur Peter Adolf Thiessen in Berlin verblieben, stand jedoch kurz vor seiner Abreise in die Sowjetunion. Rudolf Weidenhagen, gleichfalls Vorstandsmitglied und als Geschäftsführer der DChG von Pflücke vertreten, geriet zum Ende des Krieges in amerikanische Gefangenschaft Richard Kuhn, Präsident der DChG, hielt sich schon seit längerem in Heidelberg auf. /3/ Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft hatte mit Robert Havemann einen neuen Direktor erhalten. /4/ In dieser Situation schrieb Pflücke zwecks Klärung des Schicksals der DChG und seiner eigenen weiteren Tätigkeit als amtierender Generalsekretär der DChG Ende November 1945 an den Bezirksbürgermeister des Verwaltungsbezirks Berlin-Tiergarten: „Der Unterzeichnete, der Herausgeber des Chemischen Zentralblatts, ist als ältester Beamter der Deutschen Chemischen Gesellschaft vom Vorsitzenden der Gesellschaft, Prof. Dr. Richard Kuhn, zum Generalsekretär und Betriebsführer der Deutschen Chemischen Gesellschaft ernannt worden. Er führt die Geschicke der Gesellschaft, bis die alliierten Nationen sich über die künftige Lage und das Weiterbestehen kultureller Organisationen, im besonderen der Deutschen Chemischen Gesellschaft, klar geworden sind.
In seinem Vortrag auf dem Salzburger Dokumentartag im September 1942 wies Pflücke darauf hin, daß hinter dem Chemischen Zentralblatt und den Handbüchern bei der DChG eine 50.000 Bände umfassende Spezialfachbibliothek besteht. Schrifttumsauskunftsstellen sowie eine Photokopiestelle würden es den Benutzern dieser Werke ermöglichen, innerhalb einer kurzen Zeit jedes referierte bzw. zitierte Original als Photokopie zu erhalten oder in der Bibliothek einzusehen. /6/ Die nach dem Namen des Gründers der DChG, August Wilhelm von Hofmann, als Hofmann-Bibliothek bekannte Spezialbibliothek hatte ihren Standort im Hofmann-Haus der DChG im Berliner Tiergartenviertel, Sigismundstraße 4. Das Hofmann-Haus wurde ab November 1943 bei mehreren Bombenangriffen schwer beschädigt, in den Apriltagen 1945 – dem Vernehmen nach von SS – in Brand gesteckt und restlos vernichtet. /7/ Die Bestände der Hofmann-Bibliothek /8/ entgingen der Zerstörung, da sie im Oktober 1943 noch rechtzeitig in einen Stollen des Kalkbergwerks Rüdersdorf bei Berlin ausgelagert wurden. "Auch Dr. Pflücke drängte darauf, seine Dokumentationen in einem Rüdersdorfer Schacht zu lagern. Dazu erbat er sich Hilfe bei der Wehrmacht, dem Sicherheitsdienst, der Industrie und von anderen Stellen. Wahrscheinlich kamen dadurch auch die Unterlagen des Heereswaffenamtes über die geheime Giftgasforschung nach Rüdersdorf." /9/Pläne, die Bibliothek der DChG im März 1945 nochmals umzulagern und sie in einem Kalischacht bei Hattorf im Harz zu bringen, /10/ ließen sich nicht mehr verwirklichen. Die Bibliothek wurde von den vorrückenden Truppen der Roten Armee beschlagnahmt und der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften in Moskau übergeben. Bei dem von Rusk bzw. Pflücke genannten „Kalischacht bei Hattorf“ handelt es sich möglicherweise um den Schacht Ransbach - Heimboldshausen im Kalibergwerk Hattorf. Das ist der Schacht, in dem seit 1943 rund 1,5 Mio. Bände der Preußischen Staatsbibliothek eingelagert wurden. Der Plan, auch die Hofmann-Bibliothek mit ihren 50-60.000 Bänden dorthin zu verlagern, könnte auf Absprachen zwischen Krüß und Pflücke zurückzuführen sein (vgl. Biographische Skizze zu Hugo Andres Krüß, Abschnitt 11 und Anlage 1). Im Jahre 1956 kam der größte
Teil der Hofmann-Bibliothek nach Berlin (DDR) zurück und wurde unter
die Obhut der Chemischen Gesellschaft der DDR gestellt. Nach Auflösung
dieser Gesellschaft wurde die Bibliothek als Sammlung „Hofmann-Bibliothek“
Teil der Chemie-Bibliothek der Berliner Humboldt-Universität. /11/
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