Beobachtung und Beurteilung  internationaler Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten
mittels Häufigkeitsanalysen der weltweit größten bibliographischen Datenbanken
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1.  Einführung

 
Das computergestützte Analysieren von bibliographischen Online-Datenbanken liefert verdichtete Informationen über Richtungen, Ausmaße und Veränderungen weltweit stattfindendender Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten
Informationen dieser Art können Entscheidungen über das Aufnehmen, Verstärken, Korrigieren oder Beenden von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten wirksam unterstützen. 

Zu den Zielgruppen für solche Informationen gehören daher in erster Linie Personen und Gremien, die für das Management von Forschung und Enwicklung zuständig sind und als potentielle Auftraggeber für Datenbankanalysen angesehen werden können. 

Der vorliegende Beitrag entstand im Ergebnis von Datenbankanalysen, die an der Universität Potsdam zu aktuellen Forschungsthemen durchgeführt wurden. Mit den gewonnenen Resultaten konnte die Nützlichkeit und die praktische Verwertbarkeit der Ergebnisse von themenbezogenen Online- Datenbankanalysen nachgewiesen werden. 

Ein Beispiel für die praktische Verwertbarkeit der Ergebnisse von Online- Datenbank- Analysen  lieferte eine 1997 in Sydney, Australien stattgefundene internationale Tagung zum Thema "Alternative Methoden der Gewinnung von Elektroenergie". Im Rahmen dieser Tagung wurden vom Fachinformationszentrum Karlsruhe ( zugleich deutscher Standort des Internationalen Datenbankhosts "Scientific & Technical Information Network" ) die Ergebnisse von Datenbankanalysen präsentiert, die sich auf das genannte Tagungsthema bezogen und zuvor vom Verfasser dieses Beitrages nach den unten beschriebenen Methoden  vorgenommenen wurden.

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Online-Datenbankender in diesem Beitrag betrachteten Art sind  außerordentlich umfangreiche digitalisierte Speicher von Nachweisen über Veröffentlichungen zu großen Teilen des menschlichen Wissens. Sie sind vorrangig orientiert auf die Bereiche Wissenschaft, Technik und Ökonomie. Online-Datenbanken existieren jedoch auch zu den Gebieten des Rechts, der Politik, der Medien und zu weiteren gesellschaftlichen Bereichen. 
Mit dem Aufbau dieser großen Datenbanken wurde etwa ab 1960 begonnen, als die technischen Voraussetzungen hierfür ( Massenspeicher mit großer Kapazität, hohe Rechnergeschwindigkeiten und  Möglichkeiten des Online-Zugriffs auf die gespeicherten Datenmengen ) im zunehmendem Maße verfügbar wurden.

Erfaßt und gespeichert werden Nachweise des im jeweils aktuellen Zeitraum neu hinzugekommenem Wissens, insbesondere Nachweise von Publikationen, die in wissenschaftlichen Periodika und ähnlichen Quellen erschienen sind oder zur sogenannten grauen, d.h. nicht in den üblichen Printmedien veröffentlichten Literatur gehören. Online-Datenbanken, die solche  Literaturnachweise speichern, werden als Bibliographische Datenbanken bezeichnet. 

Die sieben bibliographischen Datenbanken des Hosts STN, welche in die im Beitrag beschriebene Datenbankanalyse einbezogen wurden, umfaßten zum Zeitpunkt der ersten Analyse (1994) ca. 45 Millionen Dokumentennachweise. Davon entfielen etwa 30 Millionen Nachweise auf die drei größten Datenbanken dieser Gruppe (Chemical Abstracts, BIOSIS, MEDLINE).

Alle Online-Datenbanken werden im wöchentlichen oder zweiwöchentlichen Rhythmus ergänzt und aktualisiert. Die Zuwachsraten liegen bei den führenden Datenbanken im Bereich von 10.000 Nachweisen pro Woche. 

Zu den bibliographischen Datenbanken zählen im weitergefaßten Sinn auch Patentdatenbanken. Im Jahr 1998 verwalteten sechs der mächtigsten Patentdatenbanken der Welt zusammen ca. 52 Millionen Patentnachweise. Der Spitzenreiter dieser Datenbankgruppe, die Datenbank INPADOC, hatte zu dieser Zeit einen Umfang von über 28 Millionen Nachweisen. 

Das Gegenstück zu den bibliographischen Datenbanken sind die Faktendatenbanken, zu denen auch die Strukturdatenbanken der Chemie gerechnet werden. Die weltweit größte Faktendatenbank der Chemie (REGISTRY) enthielt 1998 Nachweise mit Faktenaussagen und Strukturdarstellungen zu mehr als 16 Millionen chemischen Substanzen

Die dritte große Gruppe von Online-Datenbanken bilden die Volltext-Datenbanken.  Sie enthalten die vollständigen Texte wissenschaftlicher Veröffentlichungen, die in Zeitschriften und anderen Quellen erschienen sind.  Anzahl und Umfang dieser Datenbanken nehmen kontinuierlich zu.

 
Für das Beobachten von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sind die bibliographischen Online- Datenbanken im Vergleich mit den anderen Datenbanktypen das am besten geeignete Medium. Entscheidende Gründe hierfür sind:
    • die Meta-Aussagen der einzelnen Literaturnachweise ( Aussagen über die Informationsquelle, wie z.B. Thema, Erscheinungsjahr, Arbeitsort des Autors ) liefern  alle Daten, die für statistischeAnalysen des Publikationsgeschehens und für die daraus zu ziehenden Schlußfolgerungen notwendig sind;
    • die Größe der hier betrachteten bibliographischen Datenbanken und ihr ununterbrochenes Wachstum sind die Voraussetzung dafür, daß die mittels statistischer Analysen gewonnenen Aussagen auf repräsentativen Datenmengen beruhen und mit dem tatsächlichen weltweiten Publikationsgeschehen weitestgehend übereinstimmen;
    • die thematische Vielfalt der bibliographischen Datenbanken gibt die Möglichkeit, faktisch die gesamte Breite des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns in die Datenbankanalysen einzubeziehen;
    • die großen bibliographischen Online-Datenbanken repräsentieren annähernd die Gesamtheit aller im internationalen Raum zum jeweiligen Wissensgebiet in den letzten zwei bis drei  Jahrzehnten erschienenen wissenschaftlichen Beiträge.
       

 
 
Online-Datenbanken werden von einer Reihe zumeist weltweit organisierter Datenbankhosts kommerziell angeboten. Alle im vorliegenden Beitrag enthaltenen Faktenaussagen zu Online-Datenbanken beziehen sich auf das Angebot des Datenbankhosts "Scientific & Technical Information Network International"  (STN), einem internationalen  Host mit den Standorten Columbus (USA), Tokyo (Japan) und Karlsruhe (Deutschland). 

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